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Persönliche Erinnerungen...


Erinnerungen von Hans Naegelsbach an das Flußbad, datierend um die vorletzte Jahrhundertwende. Hans Naegelsbach war der Sohn des Pfarrers Eduard Naegelsbach, welcher von 1890 bis 1909 Pfarrer an der Michaeliskirche war.

Für's Baden im Freien kam damals nur das Aßmanns-Bad in Betracht, es lag da, wo auch heute noch die Badeanstalten sind, nördlich der Eisenbahnbrücke über die Rednitz. Herr Aßmann und seine Gattin standen in einer Bude und gaben Schlüssel zu den Kabinen und Wäsche aus. Mit großem Interesse sah man auf die Zahl, die die jeweilige Wasserwärme angab: 18, 19, 20, wie auf einem Kalenderblatt war sie groß zu lesen, seitlich an der Budenwand befestigt. Wir Zehn- und Elfjährigen hatten Kabinen, an denen nur ein Rupfentuch hing. Von 2 bis 4 Uhr badeten die Frauen und Mädchen. Erst um 4 Uhr stürmten wir hinein über die Bretter in die Kabinen und es dauerte kaum eine Minute, so sprang schon der erste hinein ins Wasser. Bei uns Kleinen unten war es seicht; doch rasch strömte das Wasser über den Sandboden. Hie und da kam ein kräftiger Fünfzehnjähriger, der Stoll, zu uns Zehnjährigen und macht sich einen Spaß daraus, die Kleinen zu »ducken«.

Beim Heruntergehen zum Fluss hörte man immer das Brummen der großen Säge in der Möbelfabrik.

Das Baden wurde mir bald fast zur Leidenschaft- und doch hab ich das Schwimmen nicht richtig gelernt; ich wurde kein ausdauernder Schwimmer. Das rasch strömende Wasser trug und riss einen schnell hinunter zum Ende des »Bassins« und drückte einen an die untere Querseite des »Floßes«, so konnte man nicht lange ununterbrochen schwimmen. In einem großen See hätte ich Dauerschwimmen vielleicht besser gelernt.

Als unpraktischer Altphilologe konnte ich lange keine Schleife binden um meine Badehose, ich zog sie deshalb schon daheim an und ließ die Schleife von Mama binden! Das Aufziehen der Schleife nach dem Baden brachte ich dann doch fertig.

Papa ging manchmal mit uns in das Freibad unterhalb des Schlachthauses, das war nur eine offene Halle, in die man die Kleider hängen konnte, einmal stieg ich ins Wasser in der Badehose, einen Bleistift hinterm Ohr, Papa amüsierte sich sehr darüber. Die Volkertsbuben (Söhne des 2. Pfarrers im Pfarrhof zu dieser Zeit, Anm.), insbesondere Gottlieb, höhnten über diese Badegelegenheit: Erstens war das Wasser zu seicht, zweitens schwammen bisweilen Hautfetzen und ähnliche Abfälle des Schlachthauses im Wasser daher.

Bei sonnigem Badewetter beobachtete ich von meinem Platz aus während des Unterrichts in der Mathildenstraße eine der quadratischen Fensterscheiben, hinter denen sich Himmel und Wolken zeigten. War sonniges Wetter, so beobachtete ich die Scheiben so lange, bis in ihrem Bereich alle Wolken abgezogen waren und hinter der Scheibe nur blauer Himmel, ohne Wolken zu sehen war. Das nahm ich dann als Omen für weiteres schönes Wetter und Bademöglichkeit. Denn nur das Wetter hätte das Baden verhindern könne; die Arbeit war niemals so dringend, dass man nicht gebadet hätte, ich war überhaupt mit meinen Aufgaben immer sehr schnell fertig, zu schnell! - Damals nahm ich zur Badehose nur noch ein Handtuch und vielleicht gar einen Kamm mit, so entstand ein Paket, umwickelt von Zeitungspapier. Den weiten Weg mussten wir zu Fuß machen; die Fahrräder waren 1895 noch sehr selten.

Vom Jahr 1898 an etwa besuchten wir mehr das Militärbad, es mag ein idyllisches Kommando gewesen sein für den Leutnant, dem das Militärbad unterstellt war. Moosschiedler hieß der Leutnant, dessen schneidiger Namenszug ich auf meiner Abonnementskarte las. - Damals sahen wir zu wie die Eisenbahnbrücke verbreitert wurde, auf dem die »Zirndorfer Kaffeemühl« gen Cadolzburg dampfte. Das Militärbad lag südlich der Eisenbahnbrücke.

Hans Naegelsbach

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